Der Unfall

Um mir zu sagen, was ich ihr und den Kindern angetan hätte, verwendet meine Exfrau gerne das Bild eines Unfall.

Wir sitzen im Auto, ich als Fahrer, sie als Beifahrer, die Kinder sitzen hinten. Ich rase mit 200 gegen eine Wand. Durch den Unfall sind meine Mitfahrer verletzt und ich bin als Fahrer dafür verantwortlich.

Der Unfall ist ist die Affäre, die ich begonnen hatte (06/2016 – 12/2016) und deren Entdeckung (02/2017) alles zum Rollen brachte . Der Unfall ist für meine Exfrau, daß ich mich so schnell von ihr getrennt habe (02-05/2017) und daß ich die Familie verlassen habe. Der Unfall ist für sie, dass ich mir so schnell eine neue Wohnung genommen habe (07/2017), mich neu verliebt habe und nach einem halben Jahr bereits eine neue Beziehung eingegangen bin (10/2017). Der Unfall ist, dass ich mit meiner neuen Liebe zusammengezogen bin (02/2018).

Je länger ich darüber nachdenke, umso besser gefällt mir ihre Metapher. Für mich ist das Bild aber unvollständig, wie ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat. Es gibt ein Davor und ein Danach.

Jeder Unfall hat eine Vorgeschichte. Eine kleine Unachtsamkeit, eine Streßsituation, ein Ereignis das von außen herangetragen wird, nicht alle Ursachen können dem Fahrer angelastet werden. Damit will ich mich nicht sprichwörtlich „aus der Affäre ziehen“, diese habe ich zu verantworten. Mea Culpa, voll und ganz.

Ein Teil der Vorgeschichte ist unsere gescheiterte Beziehung. Für dieses Scheitern gibt es Gründe, an denen wir beide beteiligt waren. Vielleicht mal an anderer Stelle mehr dazu.

Nachdem ein Unfall passiert ist, ist entscheidend wie man mit dieser Notsituation umgeht, wann, wie und dass man Erste Hilfe leistet. Und das hätte ich mir für meine Kinder so gewünscht.

In den ersten Monaten, in denen ich bei meiner Tochter sehr schnell die starke Ablehnung gespürt habe, bat ich meine Frau darum, dafür zu sorgen, dass meine Tochter professionelle Unterstützung erhält. Ob das eine Therapie, Beratung, Seelsorge oder sonst etwas gewesen wäre, war mir ganz egal. Es ging mir nur darum, dass meine Tochter einen neutralen Gesprächspartner bekäme, der ihr dabei helfen könnte, die traumatische Situation zu bewältigen, ohne das Gefühl sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Jemand, der sie von ihrem Loyalitätskonflikt hätte befreien können, ohne ihren Vater aus ihrem Leben zu schneiden. Das hat meine Frau mit den Worten abgetan, dass unsere Tochter keine Therapie bräuchte, sie wäre so schlau. Es blieb unausgesprochen, aber mit dem letzten Satz wollte sie ausdrücken, dass unsere Tochter so schlau wäre zu erkennen, dass ich ein schlechter Vater wäre, ein mieser Typ und dass ihre Ablehnung vollkommen normal und richtig wäre. 

Und um beim Bild des Unfalls zu bleiben, hilft es auch nicht bei diesem für alle traumatischen Ereignis, den Fahrer als Schuldigen zu beschimpfen und ihn aus dem Auto zu werfen. Oder wenn er durch den Unfall aus dem Auto geschleudert wurde, ihn liegen zu lassen oder noch einen Tritt zu verpassen.

3 Kommentare zu „Der Unfall

    1. Da hast du sicher recht … bei mir ist das Vertrauen zerbrochen, in so einer schlimmen Ausgangssituation sich gemeinsam aufzurappeln und für die Schwächsten – unsere Kinder – alles zu tun, damit sie keinen bleibenden Schaden davontragen … und sicher ist für alle der Traum vom gemeinsamen, unerschütterlichen Glück, die heile Welt, die eine Familie bieten kann gestorben …

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