Meine liebe Tochter …

Liebe L.

das ist nun das dritte Weihnachten, das wir nicht zusammen feiern. Ich habe es immer geliebt mit Euch unter dem festlich erleuchteten Weihnachtsbaum zu sitzen, Euch beim Auspacken der Geschenke zu zusehen und dabei Eure Freude zu erleben. Wie vieles andere, fehlt mir das. Ihr fehlt mir. Hoffentlich ist es irgendwann wieder anders. Trotzdem wünsche ich Euch von ganzem Herzen frohe Weihnachten !!!

Meine Gedanken begleiten dich immer, jeden Tag. Auch wenn Du mich nicht siehst, nicht mit mir sprichst, nichts von mir hörst, weißt Du hoffentlich, dass meine Tür und mein Herz für dich immer offen stehen. Und wenn Du eines Tages das Gefühl hast, dass du mich sehen willst, bin ich für dich da. Manchmal habe ich Angst, dass ich das nicht mehr erlebe. Aber nur manchmal. >> diesen Satz habe ich dann doch nicht geschrieben

Ich denke viel darüber nach, was ich dafür tun kann und bin oft verzweifelt, weil ich oft das Gefühl habe, dass ich nur alles falsch machen kann. Würde mir so sehr wünschen, dass Du mir verzeihen kannst. Würde mir wünschen, dass wir wieder miteinander reden können. Von meiner Seite aus bin ich dazu bereit. Wir können über alles reden. Ich würde Dir sehr gut zuhören. Auch oder gerade bei den Dingen, die dich  wütend oder traurig machen. 

Kannst Du dich noch erinnern, als Du mal bei mir übernachtet hast? Wir beide lagen im Wohnzimmer, glotzten an die Wohnzimmerdecke und haben uns bis spät in die Nacht unterhalten. An dieses Gespräch kann ich mich noch gut erinnern. Du hast mir viele Fragen gestellt, mir deine Meinung gesagt, mir auch Vorwürfe gemacht und mir aber auch zugehört. Ich empfand das Gespräch sehr „im Gleichgewicht“, damit meine ich, dass alle Themen Platz hatten, du hattest z.T. sehr „erwachsene“ Gedanken und ich habe auf beiden Seite große Empathie empfunden. Das fand ich toll. Am nächsten Tag hast Du mich sogar gefragt, ob du nicht bis Dienstag bleiben kannst. Ausgemacht war eigentlich, dass du früher als dein Bruder wieder Nachhause durftest. Weiß es nicht mehr genau, aber es ging dann aus organisatorischen Gründen irgendwie nicht.

Für das neue Jahr und alle die noch kommen, wünsche ich mir, dass du immer glücklich und zufrieden durch dein Leben gehen kannst, gesund bleibst, immer Menschen um dich hast und sicher noch kennenlernst, die es gut mit dir meinen oder dich sogar lieben.

Ich hab dich lieb,

Papa

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Anmerkung: Im Original habe ich sie und ihren Bruder mit Namen angesprochen und den Brief mit der Hand geschrieben. Änderungen oder Kommentare habe ich hier kursiv geschrieben. Als Übergabeort für den Brief und die Weihnachtsgeschenke war mit ihrer Mutter die Fensterbank im Treppenhaus des Mietshauses vereinbart, in dem sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter lebt. Eine direkte Übergabe an sie oder ihre Mutter ist ihnen nicht möglich.

Baby Beluga von Raffi haben wir als sie klein war zusammen gesungen, hunderte Mal ….

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